Artikel in der Badischen Zeitung über unsere Ausritte

Auf dem Rücken der Pferde

BZ-SERIE:Von Himmelreich aus im Sattel hinauf in die Berge.

BUCHENBACH. Ganz schön steil geht es hier hoch. Felsen, Baumwurzeln und lose Steine machen den Aufstieg nicht gerade einfach. Kein Wunder, dass Leon, Calina, Marco und Sky immer mal wieder kurze Verschnaufpausen einlegen, zumal das überraschend warme Wetter an diesem Nachmittag die Tiere ins Schwitzen bringt. Und die vier Pferde müssen zudem noch Reiter tragen. Doch oben locken ein flotter Trab, ein noch flotterer Galopp – und eine richtige Pause, damit die Begleiter im Sattel vom Frauensteigfels aus den Blick über Berge und Tal genießen können.

Wiebke Matthei und ihr stämmiger Freiberger Leon kennen die Wege oberhalb von Buchenbach und Höllental und bis hinauf zum Feldsee in- und auswendig. Die Gymnasiallehrerin unterrichtet Deutsch und Englisch in Kirchzarten, verbringt aber ihre Freizeit im Sattel – was ein schöner Ausgleich sei, wie die 44-Jährige sagt. Wie auf diesem Ritt über Pfaffeneck und Frauensteigsattel begleitet sie Gäste auf mehrstündigen, aber auch auf mehrtägigen Touren. Übernachtet wird dann zum Beispiel im Strohlager des Raimartihof am Feldsee.

Vor neun Jahren, so erzählt die gebürtige Flensburgerin Matthei, habe sie das Wanderreiten für sich entdeckt. Ausgerechnet im Schwarzwald, den sie als Zugezogene erst mal furchtbar fand, “weil man nicht in die Ferne gucken kann”. Inzwischen schwärmt sie: “Der Schwarzwald ist wunderschön.” Dann gibt sie ein Handzeichen, sagt kurz “nehmt die Zügel kürzer”. Und los geht’s im Galopp. Plötzlich sind die Vierbeiner putzmunter.

Karen Wacha zieht es aus Kirchheim-Teck immer zum Erlenhof in Himmelreich. Seit zwölf Jahren verbringen sie und ihre Familie die Ferien hier – bis zu drei Mal im Jahr. Dann wird für ein, zwei Wochen eine der beiden Ferienwohnungen der Hofbesitzer-Familie Zipfel gemietet, und während die heute 50-Jährige mit den Töchtern Carolin (20) und Julia (17) auf Schulpferden in Begleitung von Wiebke Matthei auf Tour gehen, erkundet Ehemann Frank (49) die Gegend mit dem Mountainbike. Chemie-Ingenieurin Karen Wacha erfüllt sich so regelmäßig einen Jugendtraum: das Gemeinschaftsgefühl mit dem Pferd im Westernsattel zu erleben. “Cowboy-Feeling” nennt sie das.

“Ein Kindheitstraum” waren die Pferde auch für Gabriele Zipfel. Während ihr Mann Gerhard von klein auf an auf dem Erlenhof mit Pferden zu tun hatte, bekam sie erst über den Umweg ihrer Ausbildung zur Tierarzthelferin Kontakt zu den heiß geliebten Tieren. Reiten lernte sie auch, aber erst einmal so, wie es hier üblich war. Bis sie auf die Idee kam, “Western-Reiten muss cool sein”. Längst hat sie den Trainerschein im Western-Reiten, auch um eine Reitschule führen zu dürfen. Denn die 50-Jährige betreibt mit ihrem Mann auf rund 45 Hektar einen modernen Betrieb mit Reithalle, Paddockboxen und Laufstall für bis zu 60 Schul-, Privat- und Pensionspferde und Ponys.

Während der Ferien tummeln sich auf dem Erlenhof zudem etliche Kinder, die Glück hatten, einen Platz bei einer der Pony-Freizeiten zu ergattern. Selbstverständlich können die drei längst erwachsenen Zipfel-Kinder ebenfalls reiten. Es kommen aber nicht nur Kinder und Feriengäste auf den Hof, sondern auch Leute aus der Umgebung – um auszureiten oder das Reiten erst einmal zu lernen. “Wir müssen oft Unterricht auf Englisch halten”, sagt Zipfel, zu deren Schülern selbst Amerikaner zählen. Und Schweizer. Für Ritte im Gelände gilt jedoch für alle: “Wir nehmen keine Anfänger mit.” Auf Reiterfahrung wird bestanden. Deshalb sei auch noch nie etwas Schlimmeres passiert.

Immer schön rechts bleiben, ermahnt Matthei ihre Mitreiterinnen, der Mountainbiker wegen. Auch Fußgängern begegnen die Reiter höflich. Man nimmt aufeinander Rücksicht. Prompt kommt von hinten ein Mountainbiker, der freundlich grüßend wartet, bis sich Reiterinnen und Pferde am Wegesrand sortiert haben. Ein Hallo, ein kurzer Plausch. Dann düst der Radler davon. Zwischendurch, wenn es zu steil bergab geht, wird abgestiegen, um die Pferde zu schonen.

Auch dem Reiter-Po tut das durchaus gut. “Die Ausreiter sind am glücklichsten, wenn sie zurückkommen, der Hintern schmerzt und sie fix und fertig sind”, weiß Gabriele Zipfel. Vielleicht hängt deshalb an ihrer Hauswand ein Schild mit dem bekannten Spruch: “Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.”

Scheckstute Sky dagegen ist happy, dass sie ohne Last auf dem Rücken nach gut zwei Stunden zurück an ihr Heu darf. Unterwegs galt ihre Aufmerksamkeit mehr in Naschhöhe wachsenden Blättern als Bergen, Tälern, guter Luft und der Wahnsinnsaussicht, die ihre Reiterin begeistert hat. Inklusive “Cowboy-Feeling”.

Wanderreiten

Der Naturpark Südschwarzwald hat eine Broschüre über das Wanderreiten erstellt. Darin – und im Internet – sind 37 Wanderreitstationen im Naturpark Südschwarzwald aufgeführt. Einige von ihnen bieten neben der Übernachtungsmöglichkeit und Verpflegung für Reiter mit eigenen Pferden auch einen Pferdeverleih und geführte Ausritte an.

Eine weitere Broschüre, die sich an Reiter richtet, hat die Schwarzwald Tourismus GmbH erstellt. Sie gibt zum Beispiel auch Tipps zu Veranstaltungen wie den Pferdemarkt in St. Märgen, den St. Eulogi-Ritt in Lenzkirch sowie die internationalen Reitturniere in Donaueschingen. Dieser Flyer ist über die Schwarzwald Tourismus GmbH mit Sitz in Freiburg erhältlich ( 0761/896 460).

Informationen: www. wanderreiten-im-naturpark-suedschwarzwald.dehttp://www.naturpark-suedschwarzwald.de und http://www.schwarzwald-tourismus.info

 

Quelle

Badische Zeitung

http://www.badische-zeitung.de/kreis-breisgau-hochschwarzwald/auf-dem-ruecken-der-pferde-x3x–92980143.html

vom 17. Oktober 2014

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